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Was ist eigentlich der Fadenlauf und was muß ich beachten?

by Christine
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im Fadenlauf zuschneiden

In Nähanleitungen findet sich häufig der Hinweis “Im Fadenlauf zuschneiden“. Auf dem jeweiligen Schnittmuster ist ein Pfeil in die entsprechende Richtung eingezeichnet. Aber was ist eigentlich der Fadenlauf? Warum ist er so wichtig? Und woran kann man den Fadenlauf erkennen? In diesem Artikel erklären wir dir ausführlich, was es im Einzelnen damit auf sich hat.

Was ist eigentlich ein Fadenlauf?

Für so manche Hobby Schneiderinnen ist der Zuschnitt der schwierigste Teil des Nähens. Aber wenn man erst einmal weiß, worauf es ankommt, ist es doch recht einfach, da das Prinzip immer das Gleiche ist, denn die allermeisten Schnittteile werden “im Fadenlauf” zugeschnitten. Der richtige Fadenlauf ist also wichtig. Warum eigentlich?

Fadenlauf beim Zuschnitt

Der Fadenlauf ist ausschlaggebend für einen perfekten Sitz des Kleidungsstücks. Mit dem Fadenlauf ist die Längsrichtung des Gewebes gemeint, die sich bei der Herstellung ergibt, und zwar durch das Weben selbst. Bei diesem Herstellungsverfahren werden zwei Fäden rechtwinklig zueinander verkreuzt. Der eine Faden wird als Kettfaden, der andere als Schussfaden bezeichnet. Die Kettfäden verlaufen immer in Längsrichtung und heißen daher auch Längsfaden.

Die Schussfäden verlaufen quer; sie werden zum Beispiel mittels Greifern, Düsen, Projektilen oder Schützen regelrecht eingeschossen. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Fadenlauf immer dem Verlauf der Kettfäden entspricht.

Am leichtesten lässt sich der Fadenlauf an einem Schulwebrahmen erklären. Zunächst werden dort Fäden als Grundgerüst aufgespannt. Dies sind die Kettfäden. Sie liegen parallel zur Webkante und sorgen dafür, dass der fertig gewebte Stoff später eine gute Festigkeit aufweist. Die Schussfäden werden beim Schulwebrahmen mit dem Schiffchen eingewebt.

Warum ist der Fadenlauf so wichtig?

Der Fadenlaufpfeil ist auf jedem Schnittmuster zu sehen. Und in Nähkursen wird in der Regel als erstes gelehrt, dass dieser Pfeil immer parallel zur Webkante liegen muss. Viele befolgen diesen Rat, ohne wirklich zu wissen, warum der Fadenlauf so wichtig ist. Andere beachten ihn überhaupt nicht und legen die Schnittmuster auf den Stoff, wie es am besten zu passen scheint. Vielleicht, weil es ihnen nie erklärt wurde oder sie sich das Nähen selbst beigebracht haben.

Man orientiert sich also beim Zuschnitt zuallererst am Fadenlauf. Dazu mißt man an einer Stelle eine Strecke parallel zur Webkante ab und an einer anderen Stelle muß das Maß genau das gleiche sein. Also wenn beispielsweise an der unteren Stelle der Fadenlauf 8 cm von der Webkante weg ist, muß er das an einer anderen Stelle auch sein. So kann man sicher gehen, dass das Schnittmuster auch hundertprozentig parallel zur Webkante aufliegt.

Es sind also der Fadenlauf und der Fadenlaufpfeil auf dem Schnittmuster, von dem die Passform und der Fall eines Kleidungsstück abhängen – neben der Stoffart und dem Gewicht des Stoffes. Der Fadenlaufpfeil zeigt die Richtung an, in die die Schnittteile auf den Stoff gelegt werden.

Später entscheidet er auch über die Richtung eines möglichen Musters und darüber, ob ein geschnittenes Stück Stoff stabil bleibt oder sich unschön dehnt.

Der Fadenlaufpfeil auf dem Schnittmuster

im Fadenlauf zuschneidenDer Fadenlaufpfeil wurde nicht nur für Hobby-Näher/innen entwickelt. Auch die Bekleidungsindustrie richtet sich streng danach. Dank des Fadenlaufs können gewisse Passformen erreicht werden, und auch grafische Highlights, wie zum Beispiel der Verlauf eines Streifenmusters, können darüber bestimmt werden.

Hat der Fadenlaufpfeil zwei Spitzen, ist es praktisch unerheblich, in welche der beiden Richtungen du den Stoff zuschneidest. Aber manchmal hat er auch nur eine Spitze. Das heißt, der erforderliche Stoff hat einen Flor. Zu diesen Stoffen gehören Samt, Cord, Fleece, Velours etc.

Weiter unten in diesem Artikel gehen wir noch genauer auf diese Stoffarten ein. Bei diesen Stoffarten ist es wichtig, dass die Schnittmuster in Florrichtung aufgelegt werden müssen. Fadenlaufpfeile mit nur einer Spitze wirst du im Hobby-Segment jedoch kaum finden, sie sind vor allem für die industrielle Fertigung von Bedeutung.

Fadenlauf, Webkante und Stoffbruch sind Parallelen!

Zuschneiden nach dem Fadenlauf – oder doch anders?

Kleidungsstücke wie Hemden und Hosen werden in der Regel dem Fadenlauf entsprechend zugeschnitten. Die stabilen Kettfäden geben Halt in Längsrichtung, während die flexibleren Schussfäden dafür sorgen, dass die Kleidung sich dem Körper anpasst.

Manchmal ist der Fadenlauf nicht ganz so leicht zu erkennen, nämlich dann, wenn keine einfache Leinwandbindung verwendet wird. Dann hilft es, sich den Verlauf der Fäden genau anzuschauen und einen Schneiderwinkel oder Lineal anzulegen.

Fadenlauf bei schwierigeren Stoffen

Obwohl es hier so aussieht, als wenn der Stoff diagonal gewebt ist, trügt der Schein. Wenn man genau hinaus, kann man ebenso, wie bei einfach gewebten Stoffen, Längs- und Querfäden erkennen und sich daran orientieren.

Es gibt Schnittteile, die aber durchaus auch in Querrichtung zugeschnitten werden, wie z. B. Schrägstreifen, Taschen, Patten oder Rockteile. Die Angaben aus dem Schnittmuster müssen übernommen und beim Zuschnitt berücksichtigt werden.

Wenn die Schnitteile in einem schrägen Fadenlauf zum Stoff zugeschnitten werden, wird das Schnittmuster in einem 45-Grad-Winkel zum Stoff gelegt.

Die spielerische und kreative Nutzung des Fadenlaufs

Designer von Schnittmustern setzen den Fadenlauf häufig gezielt ein, um gewünschte Kriterien beim Modedesign zu erfüllen. In diesen Fällen spielt der Fadenlauf eine wichtige Rolle, was Aussehen und Passform des Kleidungsstückes betrifft.

Auch du kannst bewusst mit dem Fadenlauf “spielen”. Manchmal erfordert dies eine gewisse Erfahrung, aber dieser Erfahrung gehen wie immer Ausprobieren und Üben voraus. Gerade bei locker oder glockig gestalteten Schnittmusterteilen ergeben sich durch die spielerische Nutzung des Fadenlaufs oft ein besonders schöner Fall.

Woran erkennt man den Fadenlauf?

Grundsätzlich kann man den Fadenlauf anhand der Webkante erkennen, denn beide verlaufen immer parallel zueinander. Allerdings wird die Webkante beim Nähen nicht mit verwendet.

Webkante Stoff

Entweder muss sie weggeschnitten werden, oder sie ist bei Stoffresten gar nicht mehr vorhanden. Aber auch dann kannst du den Fadenlauf leicht erkennen:

1. An der Dehnbarkeit des Stoffes:

Der Stoff ist in Richtung des Fadenlaufs am wenigsten dehnbar. Probiere es einfach mal aus.

Wenn du den Stoff längs, quer oder diagonal ziehst, kannst du mühelos erkennen, dass sich der Stoff unterschiedlich stark sehen läßt. In Längsrichtung, also parallel zur Webkante ist er am wenigsten dehnbar, in Querrichtung minimal und wenn man diagonal am Stoff zieht, ist er sehr dehnbar. Warum ist das so? Während des Webens werden die Kettfäden stärker beansprucht. Sie sind daher deutlich fester und weniger elastischer als die Schussfäden.

Baumwollstoff ist nur minimal dehnbar. Einen Unterschied wirst du beim Dehnen nur ab einer gewissen Stofflänge feststellen.

Bei Strickgewebe und Jersey-Stoffen sind die Maschenstäbchen gut zu erkennen; daran kannst du die Dehnbarkeit testen. Der Faden verläuft in die Richtung, in die sich der Stoff weniger dehnt. Man orientiert sich hier immer an den erkennbaren Maschen.

Fadenlauf bei Jersey

2. Fadenlauf und Musterrichtung:

Wenn du einen Stoff mit einem gut erkennbaren Muster (Karos, Streifen etc.) verwendest, richtet sich der Lauf des Fadens nach der Richtung des Musters. Das gilt auch für Jersey und alle anderen gemusterten Stoffe.

3. Fadenlauf und Strichrichtung:

Alle Stoffe mit Flor-Oberfläche weisen eine Strichrichtung auf. Dazu gehören Flausch, Fleece, Velours, Frottee, Samt, Nicki und Loden. Wenn du parallel zur Webkante über diese Stoffe streichst, kannst du die Strichrichtung fühlen und sehen. Der Fadenlauf entspricht der Strichrichtung. Achte bei Zuschnitt ob du mit oder gegen den Strich zuschneidest.

4. Fadenlauf bei gerippten Stoffen

Bei Stoffen aus Cord verläuft der Faden entlang der Cordstreifen.
Bei Leinen und einigen andere Webstoffen lassen sich die Schussfäden häufig mühelos entfernen. Die Kettfäden dagegen sind widerstandsfähiger – der Fadenlauf verläuft parallel zu ihnen.

5. Fadenlauf bei Jeans – Etwas besonders: Die Köper-Bindung

Blau-weißer Jeans-Stoff wird auch als Denim bezeichnet. Und damit haben wir das wohl bekannteste Beispiel für die so genannte Köper-Bindung. Im Vergleich dazu: Die Leinwandbindung ist die einfachste Webart. Die Kett- und Schussfäden wechseln sich eins ums andere ab.

Bei der Köperbindung sieht das anders aus, hier ist das Geflecht von Kett- und Schussfäden verschoben. Die sichtbaren und nicht sichtbaren Linien bilden Fäden. Dabei entsteht ein diagonales Muster, das als Köper- oder Diagonalgrat bezeichnet wird. Dieses Gewebe ist zweiseitig.

Abhängig davon, ob auf einer Seite mehr Schuss- oder Kettfäden erkennbar sind, spricht man hier von Schuss- oder Kettköper.

Fadenlauf bei JeansAufgrund der diagonalen Optik entsteht häufig zunächst Verwirrung, darüber wo beim Jeans-Stoff der Fadenlauf verläuft. Die gute Nachricht: Die Fadenlaufrichtung verändert sich durch die Optik nicht, sie verläuft in diesem Fall parallel zur Webkante. Allerdings lohnt sich hier auch der Dehnbarkeitstest.

Wir hoffen, dass diese Tipps und Infos dir weiterhelfen konnten, und wünschen dir weiterhin viel Spaß!

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